Transsilvanisches Reisefieber

8. Oktober 2010 Kommentare deaktiviert für Transsilvanisches Reisefieber

von Mischa Petrovski

– für Mattze und Matthi –

Rumänien. Das TermMOST(mostmostmost)at misst im Schatten 35°C. Ein idyllischer Berg, fernab der zivilisierten Welt. Traumhaft schön. Von saftig grünen Sträuchern, Pflaumenbäumen und wildem Gras bewachsen. Kein Strom. Kein fließend Wasser. Fünf Holzhütten. Glücklicherweise sucht das Auge vergeblich nach eingrenzendem Stacheldraht. Mein Reiseleiter, groß, rötliches Haar, eine Bundeswehrmütze tragend, begrüßt mich mit einem psychopatischen, arhythmischen Augenlidaufschlag und einer gottverdammten gottverdammt scharfen, rostenden Machete in der rechten Hand. Fehlt nur noch die obligatorische Eishockey-Maske. Kranker Sack. Zelte aufschlagen, Gestrüpp beseitigen, schlafen.

Zwei Tage später macht sich großer Hitzeeinfluss bemerkbar. Die Optimisten unter uns haben begriffen, dass Spitzhacken, Vorschlaghämmer, Kettensägen und Zieheisen nicht zum regulären Reiserepertoire gehören. Ich bin, hoffnungslos verloren, in einem Arbeitslager gestrandet.

Samstag. Mir geht es hervorragend, repetiere ich gedanklich. Denn verarschen kann ich mich auch alleine, höhö. Mein Freund, mit dem ich die letzten Nächte, von Freiheit träumend, durchgezecht habe, muss erschreckend oft aufs Klo um sich die Seele aus dem Leib zu kacken. Scheiße man, eine beschissene Situation. Es macht sich flacher Wortwitz breit. Unsere Konversationen drehen sich nur noch um Dünnes. Running Scat…

Die Wildnis der rauen, rumänischen Vorkarpaten, in der wir uns befinden, birgt viele Gefahren; wilde Bären, sauige Wildschweine und blutrünstige Vampire sind in Transsylvanien keine Seltenheit. Der zuverlässigste Schutz gegen solch unfassliches Unvieh, ist das Land gar nicht erst zu betreten.

Davon hat mich jedoch niemand in Kenntnis gesetzt als ich das Anmeldeformular für die Reise unterschrieb. Mit nackten Oberkörpern, die wir sorgfältig mit schlotterigem Schlamm einrieben, pirschen wir im Schutze der stockdüsteren Nacht, Finster wie der Bärenarsch in einem tiefen, dunklen, schwarzen Tal bei Mondfinsternis, durch den kalten gefahrvollen Wald. Wir suchen Eschenholz. Die einzige wirksame Waffe gegen Vampire. Geschnitten, wenn sich der Mond als schmale, schwungvolle, silbern-glänzende Sichel am Firmament abzeichnet. Einfache, von Biberzähnen rund gefressene Holzpflöcke sind wirkungslos. Das lernt man schnell hier draußen, in der Wildnis.

Wir sind froh. Froh darüber, dass uns zwei tapfere Heroen zur Seite stehen. Schlüpferman und sein treuer Wegbeistreiter Underwearboy, ein begnadeter Mantafahrer. Zwei rumänische Superhelden, ständig auf der Jagd nach dem gemeinen Gilb. Ein hundsgemeiner Gauner und Scharlatan. Abertausende Großmütter beraubte er Ihrer Unschuld, als diese noch jung und knackig waren. Doch in dieser Nacht stehen Schlüpferman und Underwearboy, ein begnadeter Mantafahrer, uns tapfer zu Seite.

Mit dem unbändigen Skill ihrer bloßen Nasen erriechen sie eine Formation Mosteschen. Mosteschen sind die robustesten unter ihrer Art. Eignen sich sogar zur Vermostung. Ich mache ein Foto. Zu Hause will es mir sonst wieder keiner glauben. Underwearboy, ein begnadeter Mantafahrer, zieht seinen Schlüsselbund vom Gürtel. Ich nehme ihn dankend entgegen und mache mich mit dem daran befindlichen Fuchsschwanz an die Arbeit, drei der Mosteschen zu schlagen. Ich wähle die drei, die kerzengerade sind. Der Fuchsschwanz ist etwas stumpf. Ich möchte nicht wissen warum.

Wir werden beobachtet. Ich kann es fühlen. Auf meiner linken Pobacke befindet sich ein kirschkerngroßer Leberfleck. Der juckt immer wenn man mich beobachtet. Und gerade juckt er gewaltig. Es ist ein Vampir. Das weiß ich, weil ich ihn riechen kann, den Vampir.  Aber er kann uns nicht riechen. Wir tragen Alufolie. Jeder von uns hat sich eine Alufolie in die Socke gestopft um der Geruchsentwicklung vorzubeugen. Somit sind wir also für den Vampir unriechbar. Das ist gut.

Zurück im Lager Bearbeiten wir das Holz. Zunächst schnitzen wir Stöcke. Kampfstäbe um genau zu sein. Gefertigt nach der höchsten Kunst tibetanischer Nacktmönche. Danach entsteht, in eingespielter Zusammenarbeit, ein Kompositbogen, da wir auf dem Rückweg noch auf eine kleine Astralelfeneiche stießen, die ausschließlich und nirgendwo anders sonst als in diesem Wald, bei Nacht, wächst. Man kann ja nie wissen. Ich glaube, wir täten gut daran eine Manufaktur zu gründen, denke ich mir, aber die Zeit drängt.

Der Vampir ist noch ganz in der Nähe. Mein Pobackenleberfleck juckt. Er traut sich nicht in an uns heran. Hervorragend. Wahrscheinlich schreckt ihn die Bundeswehrmütze unseres Reiseleiters, groß, rötliches Haar, eine Bundeswehrmütze tragend, Alufolie in der Socke,  ab. Oder er hat Angst vor Augenlidepilepsis. Das kriegt man nicht mehr los wenn man es einmal hat, gerade wenn man ein Vampir ist. Nicht einmal mit Mosteschenmost.

Wir legen uns schlafen. Zur Sicherheit stellen wir aber eine lebensgroße Pappfigur auf, um den Vampir auf Distanz zu halten. Es ist Babara Streisand. Nackt. Einfach so. Weil sie es kann. Ich würde mir gerne davor noch Einen runter holen um auf ihre makellose, pralle Nase zu ejakulieren. Nackt. Einfach so. Weil ich es kann. Aber ich kann es nicht. Nicht wenn jemand guckt. Mein Pobackenleberfleck juckt… Kranke Säcke.

Somit schlafe ich genauso ein, wie ich aufwache. Unbefriedigt. Mist. Nach dem Frühstück gehen wir wandern. Mit Stöcken und Kompositbogen bewaffnet begeben wir uns auf einen dreistündigen Marsch durch die Wildnis. Wir wollen einen lokalen Großbauern besuchen. Unterwegs töten wir fünf wilde Wildschweine, drei bebende Bären, pfählen pflaumig-fröhlich alle Vampire die wir unterwegs aufspüren können.

Einmal muss ich kurz kacken und gehe tiefer in den Wald. Mein Pobackenleberfleck juckt… Kranke Säcke. Ich muss kurz an unseren Diarrhoethiker denken und schäme mich, dass ich mich über das Jucken aufrege. Ihm geht es weitaus beschissener als mir. Ich bin betroffen. Ich nehme trockenes Laub als Klopapier. Eins hat ein Loch… Scheiße!

Die Reise geht weiter. In Rumänien besitzt jeder Haushalt eine eigene Schnapsbrennerei. Ich vermute, dass die Leute hier deswegen so gechillt drauf sind. Echt. Jeder brennt Pflaumenmost. In der selben Sekunde, in der ich mich, am Zielort angekommen, an den Tisch unseres Gastgebers, dem Großbauern setze, in der selben Sekunde steht ein randvolles Gläschen Tsuika vor meiner Nase. Lehne ich es ab, beleidige ich meinen Gastgeber. Trinke ich es zu langsam, beleidige ich meinen Gastgeber. Trinke ich es zu schnell, hab’ ich in wenigen Minuten diverse Liter Pflaumenmost hinter der Schublade. Ich bleibe DREI STUNDEN, und bin SEHR höflich . Glaube ich. Kann ich aber nicht so genau sagen, da ich mich an die nächsten Tage nicht mehr erinnern kann. Mir wird schwarz vor Augen.

Ich komme zu mir weil mein Pobackenleberfleck juckt. Verschwommene Umrisse vor mir formieren sich zu einer bildhübschen, wunder- wunderschönen Frau. Sie heißt Astrid, stellt sich heraus. Trägt gerne schwarzen Lack . Sie kommt aus Siebenbürgen und ist knapp 400 Jahre alt. Dafür hat sich die Alte aber gut gehalten. Ihre Brüste fühlen sich sehr knackig, fest und doch so zarrt zugleich an. Das liegt am Blut, sagt sie. Unter anderem auch an meinem. Toll, denke ich. Astrein, Astrid.

Sie hat mich zu einem Vampir gemacht. Weil sie mich so niedlich findet, meint sie. Außerdem bräuchte sie jemanden für Ihren Haushalt. Sie könne das nicht alles alleine stemmen. Wir haben leidenschaftlichen Sex. Sex zwischen Vampiren ist nicht so romantisch wie es in den Büchern steht. Das Küssen ist mühselig, da man die Zunge nur schwer zwischen den langen Eckzähnen kreisen lassen kann. Während des Oralverkehrs muss man höllisch aufpassen. Das ist ein bisschen dumm. Ich töte sie aus Rachsucht.

Ein bisschen, hehe, ein bisschen tut sie mir schon leid. Aber Astrid hat damit angefangen. Ich gehe zurück zu meinen Freunden. Sage ihnen aber nix von Astrid. Ich nehm’ ein bisschen mehr Sonnencreme als üblich. Das ist verträglicher für die Haut, wenn man Vampir ist. Gerade in der rumänischen Mittagssonne. Wir packen gemeinschaftlich die Koffer, verschließen die Hütten und fahren zurück Richtung Deutschland.

An der Rumänisch-Ungarischen Grenze stellt der pflichtbewusste Grenzbeamte fest, dass mein Ausweis abgelaufen ist. Da mir gerade langweilig ist und ich ohnehin Appetit auf Blut verspüre, beiße ich ihn tot und trinke sein Blut. Schon kommt sein Kollege und stellt unangenehme Fragen. Er will wissen, wie denn der Grenzbeamte in so eine prekäre Lage gekommen sei. Mir wird das zu anstrengend und ich bekomme Appetit auf Blut. Ich beiße also auch ihn tot und trinke sein Blut. Ich muss pullern.

Als ich wiederkomme stehen weitere Grenzbeamte um die beiden blutleeren Leichen. Eine von Ihnen ist bildhübsch. Ich liebe Frauen in Uniform. Und bekomme Appetit auf Blut. Wegen meiner Erektion brauche ich jetzt sehr viel davon. Während ich also auch mit ihr Sex habe, wir Vampire haben da so unsere Tricks, trinke ich die restlichen Beamten leer und pullere anschließend noch einmal. Mit einer vollen Blase reist es sich schlecht.

Meine Freunde standen die ganze Zeit daneben und haben eine nach der anderen geraucht. Kranke Säcke… Haben alles gefilmt. Naja, mir können sie nix. Ich hab Alufolie im Schlüpfer. Wird bestimmt ein guter Porno. Wir müssen weiter. Also gebe ich der Beamtin, mit der ich gerade Sex hatte, einen letzten leidenschaftlichen Kuss und verschwinde.

Home Sweet Home

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