X ?!

13. Januar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Lutzi Luise Lu
Das alles verstopft mein Innerstes, es blockiert meine Gedanken und pfropft sich vor meine Kreativität wie ein Korken. Meine Wut kommt und geht in Intervallen. Wie die Gezeiten, nur dass die Wut nicht als Flut, sondern als Sturmflut kommt. Sie bricht sich Bahn in diesem Text und kämpft mich wieder frei. Wenn ich nicht schon so oft übers Kotzen geschrieben hätte, ich würde es hier glatt nochmal tun.

Manche Menschen stehen einem so dermaßen im Weg, hängen sich wie Kanonenkugeln an die eh schon überstrapazierten schweren Glieder und lachen dabei hämisch. Selten, aber manchmal, aber meistens ist man es leider selbst. In allen übrigen Fällen handelt es sich um Ex-Beziehungen. Hier geht es um die schlimmste, fieseste, zeckigste und borstigste Form der Ex-Wortkonstellationen, um die Ex-Liebe.
Jaja, nicht alle und jeder und einige sind ja noch ganz toll miteinander befreundet; aber mal ehrlich, wer will denn schon wissen, mit wem der oder die Ex nun Leibesertüchtigung praktiziert? Ich nicht!

Die meisten Städte, in denen ich gewohnt habe, waren zum Glück groß genug, um sich gebührend und ausreichend lang großzügig aus dem Weg zu gehen. Nicht, weil man sich so hassen würde, oder weil ich so hassen könnte. Nein! Ich sehe das nur ganz medizinisch. Ein chirurgisch korrekter und gerader Schnitt verheilt besser, als eine stümperhaft selbst genähte Naht, die man heimlich immer wieder aufkratzt.

Überhaupt nicht amüsant und Nähte aufkratzend sind krampfhafte Nachmittagstreffen in Cafés, die so heißen wie man selbst. Die Ex-Verliebten schauen sich in die ex-schönen Augen und versichern sich gegenseitig nach guter alter Politikermanier und unglaublich unglaubhaft, dass es einem super geht. „Scheiß die Wand an, was scheint mir die Sonne aus dem Arsch“, möchte ich da immer schreien, aber das verbietet mir mein mädchenhaft reinsozialisierter Anstand. „Gut, gut!“, antworte ich stattdessen und mein Gegenüber überschlägt sich fast in der Bemühung, sofort von seinem neuen Monats-Netto-Einkommen zu berichten. Herrjemine, was soll ich da bloß denken, geschweige denn sagen? „Oh, wie schön! Ich freue mich! Ich freue mich wirklich! Und wie ich mich freue!“ Oder vielleicht: „ Jetzt biste endlich ´ne gute Partie, hätte ich das früher gewusst…!“

Eine weitere vollkommen überflüssige und kreativitätsverstopfende Information ist die, dass der Andere jetzt „jemanden kennengelernt hat“. Achja? Wen denn? Den Weihnachtsmann? Den neuen Nachbarn? Oder alle beide? Mensch!
Wenn ich genügend Ironie besäße, würde ich in diesem Fall Antwortmöglichkeit A von vorhin wählen, mit kleiner Variation am Ende: „Oh, wie schön! Ich freue mich! Ich freue mich wirklich! Man, watt ich mich freue! Hätten wir hier ein Freudebarometer stehen, das würde bis zum Anschlag leuchten und schon anfangen zu dampfen, so freue ich mich!“
Das kann man sagen, muss man aber nicht. Sei jedem selbst überlassen. Hauptsache, es wird deutlich, dass man auf weiteren Kontakt und Warmgetränke-Einladungen keinen Wert mehr legt. Nie mehr, am besten, oder frühestens in zehn Jahren.

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