Roman C. – Stetige Wiederkehr

27. Februar 2011 Kommentare deaktiviert für Roman C. – Stetige Wiederkehr

Sonne atmen.

Alte Freunde kehren zurück. Die lichten Reihen schließen sich und Roman C. lädt ein zum träumen: In gewohnter Umgebung, mit neuen Gesichtern und frischen Ideen.

Roman C. freut sich diesmal sehr, neben seinem Freund Michael Schweßinger, einen neuen Gast begrüßen zu dürfen, der in Zukunft hoffentlich des Öfteren mit ihm das Mikrofon teilen wird. Näheres wird allerdings – in gutem Glauben an einen anderen Freund – erst während der Lesung verraten.

Die Zutaten bleiben ansonsten die gleichen: eine pittoreske Herberge am Hafen, ein etwas mürrischer Kapitän, ein Shanty-Chor aus engelsgleichen Kehlen (hohoho) und ’ne Buddel voll Rum.

Das Vorsingen findet am Dienstag, den 01. März 2011, im WerkstattCafé Seltsam, in der Merseburger Straße 25, statt und beginnt, wie gewohnt, gegen 21 Uhr.

Wie immer gibt es auch diesmal wieder die Möglichkeit, als Gastleser selbst etwas zum Besten zu geben.

Und nicht vergessen: Roman C. liest an jedem ersten Dienstag des Monats im WerkstattCafé Seltsam.

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Quid pro quo

22. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Lutzi Luise Lu

Hier links siehst du den weißen Fleck in Farbe. Hier links, dass ist ein Land für Schweine. Verschwunden, verschluckt. Ich zeig es dir.

Ja, bleib lieber im Bus sitzen, nicht das sie doch noch angrunzen oder dich mit in den Dreck ziehen.

Fotografieren ist in Ordnung, aber ohne Blitz, du weißt ja, das regt sie nur auf, die Schweine.

Sie sind sehr zurückhaltend, fast panisch, wenn sich Fremde nähern oder wenn jemand die Borsten anders frisiert hat, außerdem legen sie großen Wert auf ihre Vorfahren und auf deren Leben.

Ich glaube, sie nennen das Kultur.

Ja, zum Lachen, ich weiß, wenn man sie so sieht, die lieben Kleinen. Aber die Welt lässt sie in dem Glauben, dass sie ganz großartige Dichter und Denker sind.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer, so wars doch, nicht wahr?

Fütter sie lieber nicht! Die Schweine versuchen, ihre Essgewohnheiten möglichst rein zu halten. Jaja, mit der Reinheit, da hatten sie schon immer so ihre Probleme, oder ihre ganz eigenen Vorstellungen.

Heute denken sie wirklich, der Rest der Welt hätte ihnen verziehen und das damals nicht alles schlecht war. Erst Nürnberg und dann kam Konrad, der Gute, und außerdem hatte man ja keine Zeit, sich um so lästige Details zu kümmern.

Selbst ihr Plan der Stadtguerilla ist gescheitert. Die sind so verdammt konservativ, diese Schweinemassen, diese Massenschweine.

Das ist schon ein wundersames Land. Ein Riesenspaß, wenn man so aus dem Fenster schaut…ach, warte! Wie gut, dass wir hier lang fahren.

Da vorne steht ein Zaun. Mit einem Kontrollschwein. In Unterhemd, mit Fettfleck, das ist ihre Uniform. Manche nennen das Bürgerwehr. Gegen Fremdlinge. Soll gut sein, sagen sie und verteilen sich gegenseitig kleine Wimpel beim Frühschoppen.

Wie bitte? Du möchtest auch mal die Ferkel sehen? Da gibt es verschiedene Gruppen von Ferkeln, die sogenannten  Freundeskreise. Verrückt sind die. Fast so schlimm wie ihre Großeltern. Ja, da werden Neuankömmlinge erst einmal gar nicht willkommen geheißen oder nur sehr zögerlich. Man ist ja schon so eingeschworen. Da kann man nichts machen. Ein Schwein ist ein Schwein ist ein Schwein.

Und schau mal, da! Mach schnell ein Foto. Ein Yuppie-Schwein, auf dem Weg zur Bank. Aber Yuppie sagt man nicht mehr. Ist veralteter Slang.

Die Neoliberalen sitzen in der Regierung, hier, im Schweineland. Aber da ja sowieso nur selten gelacht wird, fällt gar nicht auf, dass es jetzt noch weniger zu lachen gibt.

Aber, falls du doch mal in ein Gespräch mit einem der Schweine verwickelt wirst, pass gut auf. Die tun alle sehr politisch korrekt.

Und wenn sie es nicht tun, dann nur, weil sie politische Korrektheit für überholt halten und alles ganz anders sehen wollen und sich mit tausend Theorien vollstopfen, in ihren Universitäten.

Die Schweinchen haben doch tatsächlich ein Bildungsideal. Aber wie das mit Idealzuständen so ist, bleiben immer unerreicht.

Jaja, mein Freund, ich sage dir: Wait! We can´t stop here, this is pig country! Lass uns von diesem Ort verschwinden.

Nimmermehr gesehen

22. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Lutzi Luise Lu

Und so gingen sie dahin, nahmen sich an den Händen und drehten sich nicht mehr um. Nie mehr. Sie dachten, sie wären Bruder und Schwester, oder sie wünschten sich es, aber genau sagen konnte dies niemand. Sie gingen geradeaus in das Nichts hinein. Das Nichts ist die Abwesenheit von Allem. Wenn sie ganz still waren, dann konnten sie das Nichts hören, es schmecken, es riechen. Es war wie zwischen den Zeilen lesen. Eigentlich ist da nichts, aber in der Fantasie wird es lebendig und fängt an zu atmen. Bruder und Schwester hatten Angst, sie verließen ihre Heimat und wussten nicht, was das Leben für sie noch bereit halten sollte. Sie hatten in ihrem kurzen Kinderleben schon ausreichend erlebt, um genug zu haben vom ständigen rhythmischen Wechsel von Tag und Nacht, vom Tod und von Wiedergeburt, vom Kreislauf des Lebens. Ein Blick in ihre Augen ließ erschauern, da war so viel Tiefe und Abgrund, wie man es sonst nur im Gesicht alter und verbitterter Menschen zu erblicken vermag. Nun war es dunkel geworden und die Schwester nahm ihren kleinen Bruder fester an der Hand und zog ihn ein Stück näher zu sich heran. Er zitterte, aber dann straffte er sich innerlich und schritt weiter tapfer voran. Sie hatten nicht vor, stehen zu bleiben, zu ruhen um essen und trinken zu können, bis sie nicht vor Erschöpfung von allein umkippten.

Ihr Heimatdorf war vom erneut ausbrechenden Bürgerkrieg verwüstet worden. Die Bewohner ihres Landes waren wütend, ihre Gedanken waren vom Zorn vergiftet und ihr Wille von Opiaten gebrochen. Es scherte sie nicht mehr, ob sie ihren Feind oder ihren Freund umbrachten, es war ihnen egal, ob sie durch ihre Angriffe auf die Schergen des Präsidenten mehr Opfer in den eigenen Reihen hervorbrachten, als es den Unterdrückern schadete.

Mit dem Zusammenbrechen des letztens Hauses in ihrem Dorf waren Bruder und Schwester ohne ein weiteres, kräftezehrendes Wort zu wechseln in die Verlassenheit der Welt hinaus gewandert. Der Bruder musste seine Holzfiguren zurück lassen, die er mit seinem Vater geschnitzt hatte und die Schwester rieb sich während der ersten Stunden ihres Weges immer wieder mit dem linken Handrücken über den Oberschenkel, da, wo Brandnarben von ausgedrückten Zigaretten ihre Haut entstellt hatten. Mit dem Verlassen des Dorfes löschten sie ihre Erinnerungen an all die vergangenen Ereignisse, die bis vor wenigen Monaten stets eine gesunde Mischung aus Sorge und Freude waren. Ihre Heimat war verschwunden, das Dorf  brannte, die Straßen waren leer, und alles, was es zu entdecken gab, war ein Nichts.

Mit ihren Erinnerungen löschten sie auch ihre Gefühle, denn so viel wussten sie, dass Gefühle in einer solchen Welt kein weiser Ratgeber und schützender Begleiter waren. Sie hatten sich gegenseitig, der kleine Bruder hatte die große Schwester und die große Schwester hatte den kleinen Bruder. Neben den Kleidern an ihrem Leib war das alles, was ihnen blieb.

Welch schmerzhaftes Erlebnis das Verschwinden eines Ortes war, wussten die beiden nun. Sie hätten allzu gern darauf verzichtet. Ihre müden Körper bewegten sich automatisch vorwärts, der letzte Schluck Wasser war getrunken, die Kekse waren seit Tagen aufgegessen und geruht hatten sie immer noch nicht. Doch es gab ein Ziel. Die Schwester hatte es in der Schule kennengelernt, die Lehrerin hatte es ihren Kindern auf einem Foto gezeigt. Ein Ziel, das ein Traum bleiben würde, für so viele Menschenseelen und trotzdem war das Foto begeistert betrachtet und befühlt worden, als es durch die Sitzbankreihen des kleinen Klassenraumes gereicht wurde. Die große Stadt, hatte die Schwester es raunen hören und ihre Sitznachbarin begann verhalten zu kichern, als sie auf das Abbild blickte.

Er kam zu einer Unzeit und zog beide Kinder in das manifestierte Nichts, in das Universum, in das Nirwana, in den Himmel, in die Hölle. Er jagte sie erst ein paar Stunden und trieb ihre klopfenden Herzen unbarmherzig vor sich her. Er, der Tod, kam immer zu einer Unzeit. Schließlich sanken Bruder und Schwester zu Boden, nicht theatralisch mit lautem Geseufze, sondern still und wie in einem Stummfilm lautlos grotesk.

Wenn man einen Ort auslöscht, löscht man Menschenleben aus. Ein verschwundener Ort nimmt Leben mit sich, frisst Atmen und Blut auf, erstickt Lachen und skalpiert Liebe.

Wenige Tage nach dem das letzte Haus in sich zusammen fiel, verschwanden auch Bruder und Schwester und waren nimmermehr gesehen.

Wort und Totschlag

14. Februar 2011 Kommentare deaktiviert für Wort und Totschlag

von Max Bohème

Ich möchte vom Leben erzählen. Vom Alltäglichen. Vom Durchschnittlichen. Vom Selbstverständlichen. Von pausenlos vollzogenem Vollzug. Von Versuchen. Von knapp gescheiterten Ausbrüchen. Von bis zur Unkenntlichkeit entstellten Masken. Von tiefen Schrammen. Von fauligem Fleisch. An jeder Stelle eitern modrige Brocken verdorbener Vergangenheiten aus uns heraus und in uns hinein. Doch immerhin haben wir einander. Immerhin sind wir beisammen. Immerhin eitert es noch.

Nichts ist begehrenswerter, als die unschuldige und wilde Schönheit der Jugend. Ohne Besitz. Ohne Anspruch. Und ohne Schuld. Nur ein wenig nackte Haut. Nur ein paar gespreizte Beine. Nur das einfache, billige Leben.

Und nichts könnte ekelhafter sein, als sich an ein Dasein zu klammern, das als bloße Reduktion auf wesenhaften Triebe gilt. Ganz zu schweigen von den vielen Gebrechen, Defekten und übrigen Beschädigungen. Ganz zu schweigen auch vom Zynismus, jene Makel ‚würdevoll‘ oder gar ’schön‘ zu nennen. Alt, verbraucht und obsolet. Vulgäre und plakative Zuschaustellung kollektiven Verfalls. Personifizierte Anachronismen. Niedergang. Hässlichkeit. Missverhältnisse in der Gesamterscheinung: Entstellung. Unförmigkeit. Missbildung.

Gemeinsames Alt-Werden. Gemeinsame Schwächen. Vorgetäuschte Vertrautheit. Wir sind nicht die Lieben der anderen. Ekelerregende Illusion von Intimität. Wir sind bloß die kleineren Übel. Widerlich aufgeladene Zeitdehnung. Leben und sterben in stetigem Wechsel, ohne auch nur je einen Unterschied zu bemerken. Tag und Nacht werden einander immer ähnlicher. Wochen und Monate werden zu fremdartigen Gebilden. Jahreszeiten verlieren ihre Entsprechung.

Nicht-Allein-Sein scheint sich auf Dauer nicht bewährt zu haben. Vielleicht ist Nicht-Leben doch die passendere Alternative. Ich fordere deshalb ein Einschreiten. Beendet das obszöne Schweigen banaler Übersättigung! Beseitigt die Bestätigung menschlicher Ohnmacht! Freut euch über die Schreie! Genießt den neuerlichen Vollzug! Wie werden uns über die Schreie freuen. Wir werden den neuerlichen Vollzug genießen. Er wird uns einen regelrechten Spaß bereiten. Meine Schläge bedeuten dir meine Liebe. Die Apotheose physischer Gewalt gebiert den wahren Übermenschen. Wie lange haben wir gewartet?

Man muss schon höllisch aufpassen, nicht zu alt zu werden. Verlockendes Wunder der Wiederholung. Einbildung der Endlosigkeit. Wahn der Serialität. Doch der Inhalt verliert zusehends seine Bedeutung. Das Missverhältnis zwischen den Dingen tritt unverhohlen zu Tage: Die Form siegt über die Fülle. Begriffe entleeren sich auf das Grab der Bedeutung. Die Notwendigkeit unserer Taten befreit uns von unserer Schuld. Wir haben die Zeit besiegt. Wir haben uns ihrer Opfer entledigt.

Roman C. – Zurück zu den Wurzeln

13. Februar 2011 Kommentare deaktiviert für Roman C. – Zurück zu den Wurzeln

Neue Welten – „landscapes“

Nach zahlreichen Ausflügen in fremde Gefilde findet Roman C. zurück zu seinen Ursprüngen:

Am 17. Februar 2011 wird er sich deshalb, wie schon bei seiner Premiere, im Rahmen einer Ausstellung zeigen und voller Demut eine Vernissage einleiten. Diese findet, ab 18 Uhr, in der Kunststation knutland68 in der Karl-Heine-Straße 68 in Leipzig/Plagwitz statt.

„Aus der Ateliergemeinschaft „Art Operis“ in der Karl-Heine-Str. 68 ist das neue Projekt „knutland68″ entstanden. Hinter diesem Namen steht das Konzept des Leipziger Malers und Performers Knut-Peter Hoffmann, die Räumlichkeiten nicht mehr ausschließlich als Atelier zu nutzen, sondern interessanten Gästen ein Podium zu bieten.“ (Prinz)

Im Rahmen der Ausstellung „landscapes“ werden, vom 17.02.2011 bis zum 31.03.2011, Aquarelle der Künstlerin Nue Walter präsentiert.

Die nächste planmäßige Lesung findet voraussichtlich am 01. März 2011, im Werkstatt-Café Dr. Seltsam, Merseburger Straße 25, in Leipzig statt.

Roman C. – Zu Gast bei Freunden

2. Februar 2011 Kommentare deaktiviert für Roman C. – Zu Gast bei Freunden

Durchatmen.

Nach dem Tohuwabohu der letzten Tage kehrt nun etwas Ruhe ein. Doch Roman C. ist alles andere als faul:

Er besucht seine Freunde vom Verlag PaperOne und wird seinen Gedanken am Sonntag, den 06.02.2011, im Rahmen der „Bohème Maudite“ freien Lauf lassen:

Unser literarischer Salon gibt sich nach der Januar-Pause die Premiere 2011 und hat sich dazu illustre Gäste eingeladen. Unsere Freunde von der Lesebühne Roman C aus den Untiefen Plagwitz haben versprochen sich nach Lindenau; mit neuen Texten im Handgepäck, durchzuschlagen und mit uns das ein oder andere literarische Vorfrühlingsfeuerwerk abzubrennen. Abendgarderobe erwünscht.

La Bohème Maudite – Der literarische Salon der Edition PaperONE
Sonntag, den 06.02.2011
Beginn: 17:00 Uhr
Ende: offen
Eintritt: frei

Verlag der Edition PaperONE
Lützner Str. 77
04177 Leipzig

Die nächste Lesung findet am 17. Februar 2011 gegen 18 Uhr in der Kunststation knutland68 in der Karl-Heine-Straße 68 in Leipzig/Plagwitz statt.

Wo bin ich?

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