Havana Club

7. April 2011 Kommentare deaktiviert für Havana Club

Von Lutzi Luise Lu

Ich habe Ernst letzte Nacht getötet. Ihn einfach ausradiert und weggestrichen. Zu aller erst war es kompliziert und ermüdend und ich befürchtete einen zähen Todeskampf, in dem ich zu hinterlistigen Taten und zwielichtigen Mitteln greifen müsste. Dann ging es aber zu meiner großen Überraschung ganz leicht, innerhalb weniger Augenblicke hatte ich ihn niedergerungen und probierte verschiedene Siegerposen aus, bis ich mich für meinen Fuß auf seiner Brust entschied. Und mich im Blitzlichtgewitter badete.

„Da liegt er! Leblos, platt, mit geschlossenen Augen“, riefen die Leute und zeigten halb verwundert, halb begeistert mit dem Finger auf mich und Ernst. Adrenalin und Endorphine teilten sich meine Blutbahn und rauschten durch meinen Körper, meine Augen mussten vor Übereifer und Stolz funkelnd geglänzt haben. Ich sog an dem schwarzen Strohhalm meines völlig überteuerten Cuba Libre und fühlte mich sehr frei. Ich rauchte viel zu viele Zigaretten  – Liberté toujours-  und ließ mich vom Takt der wummernden Bässe dazu hinreißen, laut „Jawoll!“ zu schreien.

Da lag er unter mit, klein und gekrümmt. Sein Körper war noch warm. Aber nicht mehr lange, dann würde alle Energie aus ihm heraus geflossen sein, heraus aus dem Ernst des Lebens und er würde sein Zepter weiterreichen müssen. Und die Menschheit hätte keine Ausrede mehr, warum sie so massenhaft zur Depression neigt, die Welt wäre nach Ernst´s Verschwinden ein besserer Ort, denn ich habe letzte Nacht den Ernst des Lebens getötet!

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Was ist das?

Du liest momentan Havana Club auf Roman C..

Meta

%d Bloggern gefällt das: