Schlaflos

26. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Schlaflos

von Mischa Petrovski

Die Nächte fallen, geleitet von schmerzvollem Rauschen unerträglicher Stille.

Brennende Augenlider wollen nicht mehr sinken. Gedankenvolles Chaos speist den Motor unaufhörlich, unabwendbar.

So zehren sie sich dahin, die Nächte. Sorgen behaftet. Lähmend. Ermüdend. Als Wollten sie nie enden.

Wunder Geist drängt zur Explosion, einem letzten stummen Aufschrei folgend. Schwacher Körper ruht reglos, kraftlos, schlaflos, unter schwerer Decke. Ein überladener Kopf droht zu zerplatzen. Vergeblich verirrt auf unbeholfener Suche heilsamer Erlösung. Nach Ventilen, um qualvollen Druck entweichen lassen zu können. Ein Müdes Herz schlägt einsam, für zwei. So ziehen sie dahin, die Nächte.

Leidenschaftlich lodernde Flammen zehren nach mir, durch keinen Durst zu löschen, durch keine Gabe zu besänftigen. Sie fressen mich auf, zerfleddern meinen Leib über feuergetränkter Tafel, zum letzten Abendmahl. Ein Geschenk der Liebe. Ich zehre von dem tanzenden Flammenmeer während ich es niederbrennen lasse. Forme Worte, finde Gedanken, bis die letzte Glut erloschen, denn ich kann sie diesmal nicht greifen, unsere Zukunft.

Ich lasse los und falle ins Nichts. Ich lasse los und falle unaufhaltsam. Falle Reglos. Kraftlos. Schlaflos.

So fallen sie mit mir, wie schwarz versunkene Seide, die Nächte. Unaufhaltsam. Schlaflos schwebend.

Du fehlst.

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Tag am Meer

26. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Tag am Meer

von Mischa Petrovski

Weiche Weiße Wellen rauschen. Schaumkronen tanzen. Rauer Wind. Dutzend aufgeregte Flügelpaare.

Sie liegen am Strand. anschmiegend, lächelnd. Meeresrauschen. Ihrer beider Haare tanzen träumend leichtes Spiel salzig wehender Brise.

Sie lieben einander. Doch verraten es nicht. Verliebt in die Magie der Stunde, verliebt in ihre grenzenlose Freiheit, verliebt in ihre wunderschöne Liebe, liegen sie, tief im Augenblick versunken auf weißem weichen Sand. Jeden einzelnen gemeinsamen Herzschlag aufsogend. Jeden einzelnen gemeinsamen Herzschlag auskostend. Wunschlos. Glücklich.

Weiche Gesichtszüge, verträumt lächelnd im genussvollen Augenblick, streicheln einander. Geborgenheit. Ihre Kleider, ihre Haare, ihre weichen Wangen sind vom weißen weichen Sand bedeckt. Durchtränkt vom weichen Rauschen weißer Wellen. Reines weißes Licht wohnt liebestrunkenem Zauber lang anhaltender magischer Momente inne. Ruht im gleichmäßigen Puls ihrer beiden weichen Herzen.

Ihre glühenden Blicke folgen eng umschlungen, gedankenversunken dem trägen Lauf untergehender Abendsonne.

Ein Kuss.

Zwei Tränen Glück.

Most ist mein Hobby

26. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Most ist mein Hobby

von Mischa Petrovski

Als ich das allererste mal im Leben in Verbindung mit dem Nominativ Most – kam, da wusste ich sofort, das ist genau mein Ding, Most.
Damals, im Jahre 1952, als ich meinen vollmondroten Ferrari Barchetta Speciale, durchdrängt von grenzenloser Euphorie mein eigen nennen durfte. Ein legendäres Kraftfahrzeug voller strotzender unbändiger zügelloser Kraft, runder wollüstiger Kurven in vollendeter Verführung erlesener Fahrzeugteile. Keinen größeren Penis würde je ein Mann besitzen können. Dieses Auto war der objektifizierte Sex.
Ein maßgeschneidertes Luxus-Etui für meinen Schleifstab, mein erster eigener Nusskasten, sozusagen.

Ja die 50er Jahre wahren wahrlich ein wundervolles Jahrzehnt voller verschwenderischer Benzinschleudern, richtigen Männern die nach WD40, Lederjacken, und Haarlack rochen, Frauen deren handgemachten Schmetterlingsnudeln effektiver waren als jede moderne Saftpresse aus dem Pay TV, Frauen die wussten wie man einen Schleifstab an der ausgetrockneten Schneide eines stumpfen Küchenmessers zu reiben hatte um es anschließend im sämigen Sud hausgemachter klippriger Klöße zu wässern.

Most und Zigaretten, das war damals genau unser Leben. Nach dem ich meiner großen Leidenschaft, dem Whiskey entsagte, um jenen Frauen nahe zu sein, die sich den Vorzügen von mostbeträufelten Honigmelonen hingaben, ersteigerte ich meine erste eigene aus plankem PVC angefertigte Klobürste, ein herausragendes Novum dieser wilden Jahre und beschloss mich dem Keltern aufzuopfern. Meine erste Kelterabtei schenkte mir das Schicksal 1957 bei einer Runde verruchten Strippokers in der ich meinem behaartem, stark tätowiertem Gegenüber, buchstäblich die Hosen auszog. Jackmost! Ein Bild welches mein Psychiater, Ignatz Rothschild, nie wieder aus den Eingeweiden meiner Erinnerungen entreißen konnte.

Most wurde mein Hobby. Und da wahre Freude nur dann Keime treiben kann wenn man sie teilt, lag es mir sehr am Herzen diese meine Obsession mit meinen MitbügerInnen zu teilen. So lud ich, wo auch immer ich konnte, und ich konnte unglaublich oft, was absolut doppeldeutig an meinem ’52er vollmondroten Ferrari Barchetta Speciale lag, jede Frau die ich wollte, zur Vermostung in meine Kelterkastei, die ich während jenem verruchten Strippokers anekmostierte. Über dem gigantisch sakretalen Eingangstor befindet sich noch heute ein aus verschlissenen Backblechen gefertigtes, Eingangsschild, mit der Aufschrift „in Most we trust“. Und wie wir das taten! Mostend und mosten lassend schlugen wir uns die berauschenden Nächte um unsere feuchten Ohren!

Kenner mögen schmunzeln, verlegen den Kopf schütteln, gar fassungslos erröten, doch euch fundamentalistischen Ungläubigen sei gesagt: es gibt keine Not für solch Mosteslästerung.
Most ist ein Naturprodukt. Most umgibt uns, durchdringt uns, ist allgegenwärtig und hält das Universum zusammen. Es handelt sich auf gar keinen Fall um Sperma, das muss gesagt sein.

Da gibt es nun zwei Sorten von Most, hellen und dunklen. Dunkler Most ist gefährlich da er Sulfide enthalten kann, heller, weißer Most ist gut für eine glatte Haut und sehr beliebt bei Frauen. Diejenigen, die die Gabe haben, den Most effektiv einzusetzen, besitzen heilende Kräfte. Most baut auf Konzentration und äußerste Disziplin. Solch Heiligtum kann durch Sex, also fleischliches Verlangen, niemals erlangt werden.
Zu jener Zeit gingen die großen Stars bei mir ein und aus. Mit allen war ich per Du. Ich lernte viel über ihre Stärken, ihre Sehnsüchte und Schwächen. Kate´s Most but Jodie´s Moster.
Doch irgendwann erkannte ich das Fame und schnelle Scheine nicht alles im Leben seien.
Jetzt bin ich Naturheilpraktiker. Dr. der Mostologie, 1979 in Mostau promoviert, eine wirklich schöne Stadt. Nicht so schön wie das Mostviertel in Wien, aber wirklich schön!

Arztpraxis Dr. Most, Dr. Most am Apperat… wie bitte?… ja gut.. auf eine Sprechstunde?.. Hausbesuch.. alles klar. .. gut.. ich bin gleich bei ihnen Frau Werner...

Roman C. – „Magdeborn“

26. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Roman C. – „Magdeborn“

Auf Reisen gehen

Diesmal schießt der feine Herr großkalibrig:

Performance, Lesung, Musik und Tanztee – Schöne Menschen, neue Texte, feinsinnige musikalische Untermalung und zum Abschluss ein DJ, der seinen Berufsstand in ungeahnte Gefilde erhebt.

Roman C. klotzt statt zu kleckern und zeigt sich am Freitag, den 28. Januar 2011, gegen 21 Uhr, von einer ganz neuen Seite.

Seien Sie gespannt!

Weitere Informationen per eMail an: RomanC@gmx.net

X ?!

13. Januar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Lutzi Luise Lu
Das alles verstopft mein Innerstes, es blockiert meine Gedanken und pfropft sich vor meine Kreativität wie ein Korken. Meine Wut kommt und geht in Intervallen. Wie die Gezeiten, nur dass die Wut nicht als Flut, sondern als Sturmflut kommt. Sie bricht sich Bahn in diesem Text und kämpft mich wieder frei. Wenn ich nicht schon so oft übers Kotzen geschrieben hätte, ich würde es hier glatt nochmal tun.

Manche Menschen stehen einem so dermaßen im Weg, hängen sich wie Kanonenkugeln an die eh schon überstrapazierten schweren Glieder und lachen dabei hämisch. Selten, aber manchmal, aber meistens ist man es leider selbst. In allen übrigen Fällen handelt es sich um Ex-Beziehungen. Hier geht es um die schlimmste, fieseste, zeckigste und borstigste Form der Ex-Wortkonstellationen, um die Ex-Liebe.
Jaja, nicht alle und jeder und einige sind ja noch ganz toll miteinander befreundet; aber mal ehrlich, wer will denn schon wissen, mit wem der oder die Ex nun Leibesertüchtigung praktiziert? Ich nicht!

Die meisten Städte, in denen ich gewohnt habe, waren zum Glück groß genug, um sich gebührend und ausreichend lang großzügig aus dem Weg zu gehen. Nicht, weil man sich so hassen würde, oder weil ich so hassen könnte. Nein! Ich sehe das nur ganz medizinisch. Ein chirurgisch korrekter und gerader Schnitt verheilt besser, als eine stümperhaft selbst genähte Naht, die man heimlich immer wieder aufkratzt.

Überhaupt nicht amüsant und Nähte aufkratzend sind krampfhafte Nachmittagstreffen in Cafés, die so heißen wie man selbst. Die Ex-Verliebten schauen sich in die ex-schönen Augen und versichern sich gegenseitig nach guter alter Politikermanier und unglaublich unglaubhaft, dass es einem super geht. „Scheiß die Wand an, was scheint mir die Sonne aus dem Arsch“, möchte ich da immer schreien, aber das verbietet mir mein mädchenhaft reinsozialisierter Anstand. „Gut, gut!“, antworte ich stattdessen und mein Gegenüber überschlägt sich fast in der Bemühung, sofort von seinem neuen Monats-Netto-Einkommen zu berichten. Herrjemine, was soll ich da bloß denken, geschweige denn sagen? „Oh, wie schön! Ich freue mich! Ich freue mich wirklich! Und wie ich mich freue!“ Oder vielleicht: „ Jetzt biste endlich ´ne gute Partie, hätte ich das früher gewusst…!“

Eine weitere vollkommen überflüssige und kreativitätsverstopfende Information ist die, dass der Andere jetzt „jemanden kennengelernt hat“. Achja? Wen denn? Den Weihnachtsmann? Den neuen Nachbarn? Oder alle beide? Mensch!
Wenn ich genügend Ironie besäße, würde ich in diesem Fall Antwortmöglichkeit A von vorhin wählen, mit kleiner Variation am Ende: „Oh, wie schön! Ich freue mich! Ich freue mich wirklich! Man, watt ich mich freue! Hätten wir hier ein Freudebarometer stehen, das würde bis zum Anschlag leuchten und schon anfangen zu dampfen, so freue ich mich!“
Das kann man sagen, muss man aber nicht. Sei jedem selbst überlassen. Hauptsache, es wird deutlich, dass man auf weiteren Kontakt und Warmgetränke-Einladungen keinen Wert mehr legt. Nie mehr, am besten, oder frühestens in zehn Jahren.

Goldene Zeiten

11. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Goldene Zeiten

von Sebastian Pomm

Wenn ich gewusst hätte, was passieren würde, wenn ich den kleinen Buchladen betrete, dann hätte ich ihn wahrscheinlich trotzdem betreten, denn ich mag es, wenn mir Dinge passieren, und ich mag es noch mehr, wenn Ich den Dingen passiere, ja, man könnte sagen: ich bin ein Passant. Vor dem Buchladen stand ich, weil ich in der Stadt unterwegs war. Und in der Stadt war ich unterwegs, weil ich noch Zeug für die Uni besorgen musste.

Ja, ich bin Student. Ich studiere Geographie im 7ten Semester. Und nein ich will nicht Lehrer werden. Und nein ich weiß noch nicht genau was ich später mache wenn ich denn schon kein Geographielehrer werden will. Ich will die Welt retten, soviel weiß ich zumindest. Das tue ich ja auch schon Tag für Tag. Und ja, es gibt andere Möglichkeiten. Und nein, ich werde sie jetzt nicht erklären. Und nein, ich habe wirklich keine Lust. Nein.

[Nebenbei, Ich bin froh das es jetzt das 7te ist, und nicht mehr das erste. An der Universität gibt es einen Fachterminus für Studenten des ersten Semesters: Man nennt sie „Erstis“. Die „Erstis“ erkennt man meistens daran, dass sie mit ganz großen Augen über den Campus stolpern, dass sie so verdammt engagiert, so herrlich ambitioniert und doch leicht verwirrt wirken. Die „Erstis“ sind meistens um die 19, 20 Jahre alt und sind ganz sehr stolz, das sie jetzt studieren, sie versuchen möglichst studentisch auszusehen, und sich auch so zu verhalten. Die „Erstis“ haben ihre eigenen Gruppen im Studi-VZ. Etwa „Geographie Erstis WS2010 – Die Welt ist rund“ oder „Erstis-Mädchen Medizin 10 – Der Prof. ist sooo süß“ und so weiter. Die „Erstis“ treffen sich zu Ersti-Partys in der Karli. Die Erstis sind die Elite von morgen. Die Erstis, ein Leben im Diminutiv. Und wenn eine Gruppe Erstis hinter einem Dozenten herläuft, der ihnen zeigt, wo ihr Hörsaal ist, dann grinsen die Studenten der höheren Semester so breit, das ihnen der Kopf nach hinten Klappen würde, wenn ein Windstoß käme. Und ich wüntsche mir Wind, einen großen Wind. Doch nun bin ich ja einer von denen die grinsen…]

Jedenfalls war ich in der Stadt unterwegs, um mir noch dies und das zu kaufen, da stehe ich plötzlich vor diesem kleinen, schon von außen recht verstaubt wirkenden Buchladen in einer Seitengasse. Ich öffne die Tür und gehe hinein und stelle fest, dass ich nicht überrascht bin, denn auch von innen wirkt der Buchladen verstaubt, ja, man könnte sagen er ist es. An der Kasse, und es ist natürlich keine moderne Computergestützte High-Tech-Registrier-Kasse sondern ein altes Blechding mit Hebeln bei dem man sich denkt: ein Lederbeutel hätte es auch getan – an der Kasse sitzt ein altes verhutzeltes Männlein und hat die krumme Nase tief in einem Buch vergraben.

Natürlich hatte ich nicht ernsthaft mit einer jungen, leicht bekleideten Amazone gerechnet, die sich halb offenen Mundes mit Milch übergießt, weil ihr so heiß ist. Doch kann man ja nie wissen. Ich bleibe trotzdem, und hoffe, dass der alte Mann an der Kasse keine Milch mag. Hätte ich einen Hut, so würde ich ihn schwungvoll ziehen, so sage ich nur laut und deutlich „Guten Tag.“, wie meine Frau Mama es mich gelehrt hat. Ein grunzen ist die antwort und so beginne ich zu stöbern. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das nicht wirklich kann. Stöbern.

Ich lese gern und viel und es würde wohl gut zum dichter-image passen, wenn ich es lieben würde stundenlang in Bücherläden rumzuhocken und ein Buch nach dem anderen durch zu blättern und dabei latte-macchiato mit Karamelgeschmack zu trinken. Das wäre eine richtig romantische Eigenart. Aber es tut mir leid: Ich kann es einfach nicht. Ich mag nur schwarzen Kaffee ohne Zucker. Und es nervt mich, in eine Bücherei zu gehen ohne zu wissen, was ich will und von wem. Meistens schaue ich nach Büchern, die ich sowieso schon kenne, wahrscheinlich ist die Informationsflut für mich einfach zu groß. Trotzdem versuche ich es immer wieder.

So stehe ich nun also auch hier vor den Regalen und versuche möglichst interessiert und weltmännisch zu wirken. Und weil ich mich von dem Männlein an der Kasse beobachtet fühle, und als kompetenter Buchkenner, als Stöber-Experte, dastehen will, ziehe ich irgendeinen Band aus dem Regal. Noch bevor ich den Titel richtig lesen kann, habe ich eine Hand auf der Schulter:

„Nicht das, es ist verflucht“ Der alte Sack von der Kasse.
„Oh.“ Sage ich, und stelle das Buch schnell wieder ins Regal zurück, denn meine Mitbewohner haben mir verboten, wieder mit einem verfluchten Buch nach hause zu kommen.
„Und das hier?“ Ich zeige auf ein anderes, daneben.
„Das ist auch verflucht. Kähähähä“.
„soso. Alle Bücher verflucht, was?“
„nein, einige sind verdammt“
„und was ist mit dem hier?“ ein buch mit golden schimmerndem Einband.
„neiiiin! Nicht das!“
„und dieses?“ ein rotes Buch
„neeiiiin!“
„und welches ist weniger verflucht?“

Schweigen. Während der alte Sack etwas überrumpelt wirkt denke ich darüber nach, wie er wohl seinen kleinen Laden finanziert, wenn er den Kunden die Bücher so schwachsinnig ausredet. Und warum er sie überhaupt zum Verkauf feilbietet.

„das erste“
„mhm?“
„das mit dem goldenen Einband, es ist weniger verflucht“
„oh. Ja, ja. Gut. Danke.“

Ich nehme also den Schmöker und suche mir eine Ecke im Hinteren Teil des Ladens, damit sich niemand mehr an mich heranschleichen kann und von wo ich den Greis im Auge behalte, ob er nicht doch einen TetraPack Milch auspackt und bei dem Gedanken daran wird mir kurz schlecht. Um mich abzulenken öffne ich das Buch und lese:

Wenn ich an goldene Zeiten denke, dann sehe ich zuerst einen kleinen Jungen mit aufgeschürften Knien, der im Dreck spielt, und den ganzen Tag durch die Gegend stromert und frei ist, so frei von allen bedenken und der die schönste und wahrste aller Einsamkeiten genießt, ohne es zu wissen. Denn nur kleine Kinder sind wirklich einsam, und sie sind glücklich damit. Scheiß Buch, denke ich und blättere ein paar Seiten weiter:

Und ich sehe einen jungen Mann, der, nun kein kleiner Junge mehr, auf der anderen Seite der Welt, in einer warmen Nacht, auf der offenen Ladefläche eines Transporters sitzt der über holprige Wege zwischen Palmen hindurch ins nichts fährt, und der junge Mann schaut in den Sternenhimmel und er sieht den Gürtel des Orion und das Kreuz des Südens lächelt still und glücklich vor sich hin… Naja… wieder Blättere ich weiter

Und so viel mehr sehe ich, wenn ich an goldene Zeiten denke, ich sehe den jungen Mann, wie er, seine Boxershorts auf dem Kopf und ein Handtuch als Cape umgebunden, einen geschnitzten Stock in der Hand, über einen Hügel in den Rumänischen Vorkarpaten rennt und laut singt und dabei über seine eigene Blödheit lachen muss, und wie er später am Lagerfeuer sitzt und trunken von Glück und Palinka immer noch grinsen muss, weil er so herrlich blöd ist. Ich muss auch grinsen und blättere weiter

Wenn ich an Goldene Zeiten denke, dann sehe ich den jungen Studenten und wie stolz er ist, und wie verliebt in das Leben und in sich selbst und wie er eines Tages den verstaubten Bücherladen betritt, und wie sich dort keine junge, gut aussehende Amazone räkelt und wie er dieses seltsame Buch findet. Oh wie mysteriös, da findet also einer ein buch in einem bücherladen… ich blättere ins letzte drittel des Buches:

Was kann man nicht alles sehen, wenn man an goldene Zeiten denkt, und was gibt es nicht zu erzählen. Wir Erinnern uns gerne an die schönen Dinge und blenden dabei die weniger schönen aus. Wir sind Sammler, wir sammeln Erinnerungen, jeden Tag tun wir das was wir tun, um uns daran erinnern zu können, und jede neue Erfahrung verändert den Blick auf die alten.

Und wir lagern unsere Erinnerungen ein, als wären sie ein ganz besonderer Wein, und sind ein paar Jahre vergangen, dann holen wir den Wein aus dem Keller, und nehmen einen Schluck und wenn er uns schmeckt, der edle Wein, dann streuen wir goldstaub hinein, das die Erinnerung ewig in goldenem Licht scheint, und so sammeln wir unser Leben lang, und wenn wir alt sind und die Welt an schärfe verliert, das Leben uns überholt hat, dann gehen wir in den Weinkeller und trinken eine Flasche nach der anderen Leer. Und eigentlich klingt das ziemlich schön. Und eigentlich wäre es toll, wenn man die ganze Welt mit diesem glitzernden Goldstaub bestäuben könnte…

und eigentlich… blabla, und eigentlich geht es doch nur darum, dass wir als alte Säcke unsere Enkel und Urenkel mit Geschichten nerven können, die lange her sind, und die keiner mehr hören will, denke ich, Und ich weiß, meine Enkel werden aus Höflichkeit Interesse vortäuschen und ich werde es mit hämischer Freude genießen. Und ich blättere auf die letzte Seite:

Wenn ich an goldene Zeiten denke, dann sehe ich den ausgelernten Studenten, wie er keinen Job findet, nicht die Welt rettet, und deshalb seinen kleinen Bücherladen eröffnet und sich für verdammt lustig hält und den Leuten, quasi als Verkaufsgag erzählt, das die Bücher verflucht sind und dabei seine Stimme verstellt. Und wie der nun stolze Bücherladenbesitzer immer älter und weniger stolz und komischer wird, und bald stets einen Tetrapack Milch bereit hält um sich damit zu übergießen. Man weiß ja nie.

Und ich sehe, wie eines Tages dieser junge, so verdammt gutaussehende Student in meinen Bücherladen kommt und laut „Guten Tag“ sagt, wie seine Mutter es ihn gelehrt hat, und ich …

Erschrocken klappe ich das Buch zu. Die Sekunden strecken sich, wie in diesem Film, Matrix. Ich wirbele zeitlupe herum: Der alte steht an der Kasse, in der Hand einen geöffneten Tetrapack Milch, und er hebt ihn über den Kopf und langsam neigt sich seine Hand und ich sehe schon den ersten Tropfen. Wie er so weiß und wunderschön, als wäre es der allerallerste Tropfen, wie er so perfekt in schimmernder Harmonie seinen langsamen weg nach unten antritt.

„neeeeiiiiiiinnnnnnn“ rufe ich in Zeitlupe und werfe das goldene Buch, im Flug hinterlässt es so kreisförmige Schallwellen, während ich zur Tür hechte, sie aufreiße, keinen Blick nach hinten werfe aus dem Laden springe, mich abrolle, aufstehe, und heimgehe, als wäre nichts gewesen. Hinter mir explodiert das Schaufenster. Und das Feuer färbt den Sonnenuntergang rot. ich blicke mich nicht um.

Als ich auf meinen Bus warte, spiele ich mit dem Gedanken, vielleicht einst selbst mal einen Bücherladen zu eröffnen, weil angeblich finden ja so viele Studenten keinen Job, und ich habe Durst, auf Milch…

Das Du und das Ich

11. Januar 2011 Kommentare deaktiviert für Das Du und das Ich

von Sebastian Pomm

Du – bist geheimnisvoll wie ein versunkener Schatz.
Du – bist so sanftmütig, ein in sich ruhender See an dessen Grund man erwähnten Goldschatz funkeln zu sehen glaubt. Und dennoch sollte man sich hüten deinen Zorn zu erregen, denn
Du – bist stark, bist verwegen, hast das Zeug zu einer Legende, bist eine Naturgewalt in deiner Wut, wagt es irgendjemand, sie loszulassen.

Du – Hast so viele schöne Worte für alles und wickelst damit jeden um den Finger.
Du – sagst man kann über alles reden und ich glaube dir, weil du so überzeugend bist, und selbst wenn man dir nicht glaubt, will man dir glauben.
Du – dir, wäre nichtmal Alice Schwarzer böse, wenn du nicht genderst, beim reden, einfach weil Du so charmant bist, in deinem machismo. Politisch korrekt? warum?

Du – mit deiner freundlichkeit, du hast immer einen guten Ratschlag und einen Schulterklopfer übrig und danach ist die Welt ein kleines Stück heller, einfach weil du es sagst.
Du – bist kein Übermensch, hast auch deine kleinen Fehler und grade die machen dich so liebenswert.
Du – bist ein heimlicher Romantiker, fängst in einem Schmetterlingsnetz aus Tautropfen die ersten Sonnenstrahlen und webst daraus Tagträume und hast dabei nichtmal ein schlechtes Gewissen, dir wird nichtmal schlecht dabei. Mir wird nicht mal schlecht dabei, weil irgendwie ist das ja auch schön.

Du – bist trotz allem niemand von dem man sagt, das er lieb ist, weil du bist hart aber fair in deinem Urteil, und du kannst auch ein ganz schönes Arschloch sein, und trotzdem oder grade deshalb liegt dir die Welt zu füßen.
Du – Gehst durch diese Welt und blickst nicht zurück um zuzusehen, wie der Weg hinter dir verblasst und ausfasert. Es ist dir egal. Du weißt das die Vergangenheit existiert, lässt dich aber nicht von ihr beherrschen. Kein Selbstmitleid.
Du – bei dir ist alles scheinbar so leicht, mit deiner elenden Leichtigkeit, scheinbar kann dich nichts längere Zeit aus der Fassung bringen. Du wischst mit einer Handbewegung einfach so alles beiseite und die Sache ist erledigt. Einfach so. Schnipp. Diese schulterklopfende Leichtigkeit. Schnipp.

Du – würdest wahrscheinlich selbst wenn die Welt untergeht, auf den Trümmern noch spontan einen kleinen Stepptanz aufführen und einen blöden Witz parat haben. von dem du selber weißt, das er blöd ist, was dir aber nichts ausmacht – mit deiner elenden Leichtigkeit.
Du – grinst nur dein bezauberndes Grinsen und denkst die ganze Welt liegt deinem Charme zu Füßen, und das tut sie auch, verdammt nochmal, das tut sie auch, es ist nicht zum aushalten.

Das alles hättest du antworten können, als ich dich frage: Sag mal beste Freundin: wie findest du, als Frau, mich, als Mann eigentlich so? Sei ehrlich.
Aber alles was du sagst ist: Ich finde du bist lieb.
Und ich verstehe es nicht und schmolle beleidigt.